|
Der
Firmengründer Gustav Krautheim wurde am 21.11.1857 in Asch in Böhmen
geboren. 1888 ging der damals 31 jährige nach Chemnitz und gründete
in der damaligen Zwickauer Straße 106 eine kleine Gießerei.
Doch
schon 3 Jahre später siedelte er an die heutige Schiersandstraße um.
Im Oktober 1915 begann im Stadtteil Borna der Bau eines weiteren
Werkes. 1916 nahm G. Krautheim die damals bedeutendste sächsische
Stahlgießerei in Betrieb. An diesem Standort in der Sandstraße 116
hatte die Firma auch einen Gleisanschluß an den Bahnhof
Chemnitz-Küchwald der Staatsbahnstrecke nach Leipzig.
Das Werk war für
die modernsten Verfahren der Stahlerzeugung mit einem Bessemer-,
einem Siemens-Martin- und einem Elektro-Ofen ausgerüstet und für
eine Jahresleistung von 12.000 t ausgelegt. Das Bessemer-Verfahren
zur Veredelung von Gusserzeugnissen wurde bei Krautheim
weiterentwickelt und verbessert.
Haupterzeugnisse waren u. a.
Zahnräder, Gesenke, Brecherbacken, Kammwalzen, Walzenringe,
Laufräder, Kolben, Ventil- und Dynamogehäuse sowie Achslager und
Kupplungsteile für Schienenfahrzeuge. Im Werk Altendorf
(Schiersandstraße) wurden weiter Gusseisenerzeugnisse hergestellt.
1922 wandelte
der bereits erkrankte G. Krautheim die Gießereien in Altendorf und
Borna von einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts in eine
Aktiengesellschaft um. 1926 starb er und wurde auf dem Städtischen
Friedhof (Wartburgstraße) in Chemnitz beigesetzt.
Die
Weltwirtschaftskrise setzte auch der G. Krautheim AG durch
Auftragsrückgänge stark zu. Es wurden weiterhin auch Gusserzeugnisse
für die Deutsche Reichsbahn hergestellt. Ab 1938 wendete man sich
verstärkt der Produktion von Rüstungsgütern zu.
Im Frühjahr 1945
wurde das Werk Borna durch einen Fliegerangriff teilweise zerstört.
Nach teilweiser Demontage in den Jahren 1945/46 erfolgte 1946 die
allmähliche Inbetriebnahme der beiden Werke und durch eine Direktive
der sowjetischen Militäradministration am 1. Dezember 1946 die
Enteignung und der weitere Ausbau.
Die Bezeichnung
der Eisengießerei G. Krautheim nach Kriegsende ist unklar.
Einerseits firmierte sie als Metallurgische Aktiengesellschaft G.
Krautheim, aber auch (ab 1946) als Stahl- und Eisengießerei vorm. G.
Krautheim der Abteilung der Staatlichen Sowjetischen
Aktiengesellschaft (SAG) "Marten". Die offizielle Zuordnung zur SAG
"Marten" erfolgte jedoch erst nach der Enteignung mit der
Übernahme-/Übergabeverhandlung am 27. März 1947.
Mit Auflösung
der SAG in Deutschland wurde das Werk zum 1. Januar 1954 in den
Besitz der DDR übereignet und firmierte als VEB Stahlgießerei
Karl-Marx-Stadt. Etwa zu dieser Zeit erhielt man eine
Neubau-Industriedampflok aus dem VEB Lokomotivbau "Karl-Marx"
Babelsberg (LKM 133011; 1954; Ch2t; 400 PS).
Per 1. Juli 1963
wurde das Werk zum Stammbetrieb und Sitz der Werkleitung des neugegründeten Gießereigroßbetriebs VEB Gießerei "Rudolf Harlaß"
Karl-Marx-Stadt. 1965 erhielt man eine weitere Werklok, es handelte
sich um eine V18B (LKM 261454; 1965; Bdh)
Zum 1. Januar
1979 ging der VEB Kombinat Stahlguss Karl-Marx-Stadt in den
Rechtsnachfolger VEB Stahlgießerei Karl-Marx-Stadt über und wurde
als Kombinatsbetrieb dem VEB Kombinat Gießerei- und Gusserzeugnisse
(GISAG) Leipzig zugeordnet. Am 1. Oktober 1987 erfolgte die
Ausgliederung aus dem VEB Kombinat GISAG und die Eingliederung in
den VEB Kombinat Schienenfahrzeugbau Berlin. Am 11. Juli 1990 wurde
der VEB Stahlgießerei Karl-Marx-Stadt aus dem Handelsregister
gelöscht. Als Rechtsnachfolger fungierte die Eisen- und
Stahlgießerei Chemnitz GmbH.
Während das Zweigwerk an der Bernhardstraße um 1992 abgewickelt
wurde, läuft im Stammwerk an der Sandstraße noch eine bescheidene
Produktion, die aber nur noch einen Teil der alten Werksanlagen
benötigt. Der Gleisanschluss wird nicht mehr genutzt.
Anlässlich des
150. Geburtstages von Gustav Krautheim wurde 2008 auf der
Schiersandstraße 15 in Chemnitz eine Gedenktafel enthüllt.
|